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24.3.2017 : 12:57 : +0100

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Erfreuliche Entscheidung zur Haftung bei Renntraining

Bekanntlich ist die Rechtsprechung zur Verantwortung nach Unfällen bei Rennen/dem Renntraining sehr streng. Umso erfreulicher ist eine aktuelle Entscheidung des OGH, welche das Risiko für Bergbahnen deutlich reduziert.

Im Skigebiet eines von mir vertretenes Seilbahnunternehmens ereignete sich folgender Unfall: Ein jugendlicher Wintersportler verunfallte bei dem - von seinem Skiverband organisierten und durchgeführten - Renntraining. Das Training fand auf einer von den Bergbahnen zur Verfügung gestellten (abgesperrten) Trainingspiste statt. Der Unfall ereignete sich, da der Sportler in einem "einfachen" Pistenstück verschnitt, auf der Taillierung weiterfuhr und mit einem von den Bergbahnen am Pistenrand aufgestellten Holzpfosten kollidierte. Normalerweise ist davon auszugehen, dass ein Skifahrer beim Verschneiden früher zu Sturz kommt und nicht bis zu diesem Holzpfosten gelangt. Im Pistenverlauf stellte dieser Pfosten für die vorgesehene Schrägfahrt kein Hindernis dar. Dennoch verklagte der Sportler die Bergbahnen, da er der Meinung war, sie hätten den Unfall zu verantworten.

Alle drei Instanzen folgten meiner Argumentation, dass keine Haftung der Bergbahnen gegeben ist. Die Gerichte wiesen zunächst darauf hin, dass ein Pistenbetreiber - wie allgemein bekannt -  zu entsprechenden Schutzmaßnahmen verpflichtet ist, wenn "atypische" Gefahren drohen, die auch für einen verantwortungsbewussten Skifahrer schwer abwendbar sind und dass in Zusammenhang mit Trainings- oder Rennläufen eine höhere Sorgfaltspflicht besteht.

In dem hier zu entscheidenden Fall handelte es sich nicht um eine "gewöhnliche" Piste für den Publikumsverkehr, sondern um eine abgesperrte Trainingspiste. Sie war aber auch keine (permanente) Rennstrecke, sondern wurde von den Bergbahnen nur präpariert und dem Skiverband zum Training zur Verfügung gestellt. Die Kurssetzung, die Durchführung des Trainingsbetriebs, die Absicherung der Piste (für das Training), etc. gehörte nicht zu den Pflichten der Bergbahnen, dies alles wurde vom Skiverband übernommen.

Daher sind die Gerichte zu dem (richtigen) Schluss gelangt, dass nicht die Bergbahnen, sondern der Skiverband "Betreiber" dieser Trainingspiste war. Somit waren auch nicht die Bergbahnen, sondern der Skiverband verpflichtet, die besonderen Sicherungsmaßnahmen zu beachten.

Die Besonderheit dieses Falls liegt darin, dass die Bergbahnen - ohne Zusammenhang mit der Trainingstrecke - den Pistenrand im späteren Unfallsbereich durch das Aufstellen von vier bis fünf Holzpfosten vom dahinter liegenden freien Gelände abgegrenzt hatten. Allerdings mussten sie nicht damit rechnen, dass diese Pfosten in dem flachen und ungefährlichen Bereich für einen Sportler eine Gefahr darstellen könnten: Die Bergbahnen hatten auf die Kurssetzung durch den Skiverband keinen Einfluss und der Trainingslauf musste auch nicht zwangsläufig in den Nahbereich des Holzpfostens führen, da die Piste in diesem Bereich breit genug war. Es lag also keine für die Bergbahnen "erkennbare atypische Gefahrenquelle" vor.

Daher haben sich die Gerichte - in allen drei Instanzen  - meiner Meinung angeschlossen und festgehalten, dass den Bergbahnen keine Verletzung der Sorgfaltspflichten vorzuwerfen ist und dass sie keine Haftung trifft.

Mit dieser Entscheidung wird das Haftungsrisiko für Bergbahnen auf von ihnen bereitgestellten Trainingspisten entschärft, wenn das Training von Dritten durchgeführt wird und die Bergbahnen lediglich die Piste zur Verfügung stellen.

 

21.04.2015 14:34 Alter: 2 Jahre