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30.4.2017 : 10:52 : +0200

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"All-Risk-Versicherung" deckt nicht jeden Schaden ab!

In einer aktuellen Entscheidung hatten sich die Gerichte damit zu beschäftigen, welche Schäden eine "All-Risk-Versicherung" decken muss. Entgegen dem ersten Eindruck dieses Begriffes deckt eine solche Versicherung nicht jedes (Schaden-)Risiko ab.

Im vorliegenden Fall schloss ein Seilbahnunternehmen einen "All-Risk-Schutz für Seilbahnunternehmen" ab. Dabei wurden sämtliche Seilbahnen und Lifte sowie Betriebsgrundstücke samt Pisten, Loipen, Rodelwege und Beschneiungsanlagen als "Risikoort" definiert. In der ebenfalls vereinbarten "All-Risk-Sachversicherung" wurde festgehalten, dass sämtliche Gebäude, die Betriebseinrichtung, Geräte, Beschneiungsanlagen, Fundamente, etc. versichert sind.

Im Jahre 2010 kam es nach starken Regenfällen zu Hangrutschungen auf einer Piste (in einer steilen Waldschneise). Um deren Benützbarkeit wiederherzustellen, waren umfangreiche (Bau-) Maßnahmen notwendig, wodurch erhebliche Kosten entstanden. Das Unternehmen forderte diese Kosten nun von der Versicherung mit der Begründung, der Schaden an der Piste sei vom Versicherungsschutz umfasst. Die Versicherung lehnte einen Ersatz ab.

Letztendlich wurde die Klage abgewiesen. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass die Vereinbarung der "Piste" als Versicherungsort keinen Schluss darauf zulasse, wofür konkret ein Versicherungsschutz bestehe. Zu den versicherten Sachen zählen auch die gesamte kaufmännische und technische Betriebseinrichtung inklusive Beschneiungsanlagen, Stützen, Fundamente, etc. Nach Ansicht des Gerichtes fällt die abgerutschte Piste nicht unter den Begriff der "kaufmännischen" oder "technischen Betriebseinrichtung", daher sei die Piste nicht versichert. Vom Versicherungsschutz umfasst sind auch die Außenanlagen und die "Grundstücksinfrastruktur". Dazu zählen zB Wege und Parkplätze. Das Gericht hat festgehalten, dass die Piste auch nicht dem Begriff eines "Weges" untergeordnet werden kann, da eine Piste im allgemeinen Sprachgebrauch nicht als "Weg" bezeichnet wird. Somit umfasst der Versicherungsschutz für einen "Weg" nach Ansicht des Gerichts nicht auch die Pisten.

Als Ergebnis dieser Entscheidung ist festzuhalten, dass der Inhalt des vereinbarten Versicherungsschutzes genau überprüft werden muss. Allein aus der Bezeichnung einer Versicherung (zB als "All-Risk-Versicherung") kann ihr genauer Deckungsumfang nicht abgeleitet werden.

04.12.2014 08:55 Alter: 2 Jahre